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23.11.2021 / Sozialrecht

Vorschläge zur Einbindung moderner diagnostischer Verfahren in die GKV

Die aktuelle Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig die Versorgung der Bevölkerung mit modernen diagnostischen Methoden und Tests ist. Über ihre Bedeutung zur Bekämpfung der Pandemie hinaus spielen sie im Gesundheitswesen aber allgemein eine große Rolle. Knapp zwei Drittel aller klinischen Diagnosen basieren inzwischen maßgeblich auf Laboruntersuchungen. In-vitro-Diagnostika (IVD) sind unverzichtbarer Bestandteil personalisierter Behandlungskonzepte, insbesondere im Fall einer Krebserkrankung. Obwohl IVDs für Behandlungserfolge eine zentrale Rolle spielen, ist ihre Einbindung in die deutsche gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nach wie vor nur unzureichend geregelt. Ein Forscherteam der sozialrechtlichen Abteilung des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik hat Lösungsansätze zur Verbesserung der aktuellen Rechtslage erarbeitet, die nun in der Zeitschrift Medizinrecht in zwei Aufsätzen (Band 39, Hefte 10 und 11) frei zugänglich veröffentlicht wurden.

Die Forscher/innen kommen zu dem Schluss, dass die Einbindung dieser Leistung in die GKV vor allem einen angemessenen Ausgleich zwischen Innovationsoffenheit, Patientensicherheit und Wirtschaftlichkeit voraussetzt. Anhand einer vergleichenden Analyse des Zugangsverfahrens in Frankreich, England und Australien zeigen sie auf, wie ein schneller, kontrollierter und dabei finanzierbarer Zugang in die medizinische Versorgung gewährleistet werden kann. Hierfür müssten folgende Stellschrauben in der GKV entsprechend justiert werden: vorläufige Erstattung, fristgebundene Re-Evaluation, gesundheitsökonomische Bewertung, Transparenz und die Partizipation von Herstellern. Das zentrale Ziel müsse sein, die anfängliche Unsicherheit über neue Verfahren in möglichst kurzer Zeit zu beseitigen, indem ihre Wirksamkeit innerhalb des deutschen Gesundheitssystems erforscht wird. Auf Grundlage der Ergebnisse könne dann entweder der Ein- oder der endgültige Ausschluss moderner diagnostischer Verfahren in der GKV beschlossen werden.

Originalpublikationen:

Hardenberg, Simone von; Domenici, Irene; Grinblat, Roman:
Einbindung neuer In-vitro-Diagnostika in die GKV – Lösungsansätze aus vergleichender Perspektive (Teil 1), in: Medizinrecht, 39 (2021) 10, S. 875–880.

Hardenberg, Simone von; Domenici, Irene; Grinblat, Roman:
Einbindung neuer In-vitro-Diagnostika in die GKV – Lösungsansätze aus vergleichender Perspektive (Teil 2), in: Medizinrecht, 39 (2021) 11, S. 964–970.