Lassen sich Haltelinien, finanzielle Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit miteinander verbinden? | Munich Center for the Economics of Aging - MEA
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Lassen sich Haltelinien, finanzielle Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit miteinander verbinden?

Inhalt

Seit 2019 gilt eine so genannte „doppelte Haltelinie“, die dafür sorgt, dass das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung nicht unter 48% absinken und gleichzeitig der Beitragssatz nicht über 20% ansteigen wird. Diese Haltelinie gilt bis 2025. Anschließend gilt wieder „altes Recht“, nach dem das Sicherungsniveau und Beitragssatz gemäß der Rentenanpassungsformel inklusive des Nachhaltigkeitsfaktors angepasst wird. Letzterer berücksichtigt in der Anpassungsformel den demographischen Wandel, um die Finanzierung der Rentenleistungen nachhaltig und generationengerecht zu sichern. Der demgemäß stark steigende Beitragssatz und das stark fallende Sicherungsniveau widersprechen jedoch dem Wunsch der Bevölkerung nach einer in festen Haltelinien gegossenen Verlässlichkeit.

Dieses Papier stellt mögliche Auswege aus diesem Dilemma vor. Sie bestehen aus unterschiedlichen Kombinationen von Haltelinien, nachhaltiger Finanzierung und generationengerechter Aufteilung der demographischen Lasten. Das Papier verwendet das MEA-PENSIM Modell, um die Entwicklung des Sicherungsniveaus, des Beitragssatzes und evtl. zusätzlicher Deckungsbeiträge durch Steuermittel für solche Auswege zu berechnen. Fast keines dieser Alternativmodelle kann Beitragssatz und zusätzliche Bundesmittel langfristig stabilisieren. Dies liegt vor allem daran, dass die finanzielle Lage der Rentenversicherung nach 2030 durch eine zunehmende Differenz zwischen Rentenzugangsalter und Lebenserwartung bestimmt wird. Wir ergänzen daher die Modelle durch eine Anpassung des Rentenzugangsalters an die Lebenserwartung auch nach 2031, wenn die „Rente mit 67“ vollständig eingeführt sein wird. Wir zeigen, dass bis auf die beiden Modelle einer doppelten Haltelinie alle übrigen Modelle einen Beitragssatz von unter 23% einhalten könnten, ohne zusätzliche Bundesmittel zu benötigen.

Publikationsdetails
Boersch-Supan

Prof. Dr. h.c. Axel Börsch-Supan, Ph. D.

Rausch-2

Dr. Johannes Rausch

2020
Max Planck Institute for Social Law and Social Policy, Munich Center for the Economics of Aging (MEA)
München
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