Kognitiv oder qualitativ? Pretest-Interviews in der Fragebogenentwicklung | Munich Center for the Economics of Aging - MEA
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Kognitiv oder qualitativ? Pretest-Interviews in der Fragebogenentwicklung

Inhalt

Kognitive Interviews gehören mittlerweile zu den wichtigsten Pretest-Verfahren in der Entwicklung und Evaluation von Fragebögen. Verschiedene Techniken wie z.B. thinking-aloud oder unterschiedliche probing-Ansätze prüfen die Verständlichkeit und das Verständnis von Fragen, decken Schwierigkeiten der Befragten bei der Beantwortung von Fragebögen sowie zugrundeliegende Ursachen auf. Ein Desideratum dieses Vorgehens ist die methodologische Rahmung, für die wir im vorliegenden Beitrag einen Vorschlag machen. In ihrem Erkenntnisinteresse und ihrer sozial-interaktiven Erhebungspraxis weisen Kognitive Interviews Ähnlichkeiten mit qualitativer Sozial- und Interviewforschung auf.Die direkte Forschungsinteraktion in Pretest-Situationen kann als Akt des Fremdverstehens im Sinne qualitativ-interpretativer Sozialforschung betrachtet werden.Auf dieser Grundlage diskutieren wir den Vorteil methodisch integrierter Kommunikationsstrategien zweier etablierter qualitativer Erhebungsverfahren – des Problemzentrierten Interviews und des Diskursiven Interviews – für die Entwicklung eines Pretest-Interviewansatzes, welcher die Techniken des Kognitiven Interviews aufnimmt und um den essentiell sozialen Charakter von Verständnisklärungsprozessen erweitert.Wir führen dafür den Begriff des Qualitativen Pretest-Interviews (QPI) ein, um der möglichen Verengung des Verständnisses von Pretest-Verfahren auf die Problematik mehrdeutiger Kognitionen zu entgehen.Schließlich reflektieren wir das Potential dieses Ansatzes für die standardisierte Surveyforschung.

Publikationsdetails
Arne-Bethmann

Arne Bethmann

Christina Buschle

Herwig Reiter

2019
10.1007/978-3-658-24517-7_6
S. 159-193
Springer VS
Wiesbaden
Qualitätssicherung sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente
https://doi.org/10.1007/978-3-658-24517-7_6